Gewässerökologie

Anhand der direkten Erhebungen und der verfügbaren Daten aus unterschiedlichen Quellen kann die ökologische Funktionsfähigkeit der Projektstrecke der Passer - morphologische Struktur, Abflussdynamik, Makrozoobenthos und Biologische Gewässergüte, Fischlebensraum und Fischbestand - im Vergleich mit derjenigen vergleichbarer urbaner Fließgewässer in Südtirol und außerhalb der Landesgrenze als deutlich überdurchschnittlich eingestuft werden.

Der erfreuliche Zustand ergibt sich aus einer Reihe von Faktoren, die vielfach mit der historischen Entwicklung der Stadt zusammenhängen. Hierbei spielte die jahrhundertelange Reihenfolge katastrophaler Hochwasserereignisse höchstwahrscheinlich auch eine „positive“ Rolle: die Grenze des Machbaren musste nicht etwa berechnet werden, sie wurde immer wieder durch die Natur sehr deutlich aufgezeigt. Die Bachsohle behielt somit eine Breite, welche mindestens doppelt so
groß ist, im Verhältnis zum jeweiligen Einzugsgebiet, als diejenige der meisten anderen Flüsse im städtischen Raum. Die Dimensionierung der Sohle der Passer in Meran stellt somit eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Beibehaltung eines Flusses dar, welcher weiterhin nicht nur als groß dimensionierte Abflussrinne sondern als Lebensraum und Ökosystem besteht.
Der Zustand des Fließgewässers ergibt sich jedoch auch aus einer Reihe weiterer Faktoren, z.B. die chemische Qualität des Wassers, die Intensität der Bodennutzung im Einzugsgebiet und spezifisch im Gewässerumland, die Hydrologie. Unter diesen spielt die mäßige Beeinflussung der Hydrologie eine besondere Rolle. Das erfreuliche Ausbleiben in der Passer des in der Basalstrecke mehrerer Wasserläufe vorkommenden Schwalles, also der scharfen Abfluss- und Pegelschwankungen, welche durch den Betrieb der Speicherkraftwerke hervorgerufen werden, ist eine eindeutige Voraussetzung für die Beibehaltung der ökologischen Qualität und Funktionsfähigkeit der behandelten Bachstrecke.
In Anbetracht des Gewässerzustandes und der spezifischen Hauptzielsetzung des Projektes – Ortsgerechte Gestaltung – Freiräume am Wasser – können schließlich die nachfolgenden Maßnahmen empfohlen werden, welche sowohl den Gewässerschutz als auch die möglichst breite Wahrnehmung und Wertschätzung durch Einwohner und Gäste der faszinierenden Vielfalt und der reichlich gegliederten Funktionen des Wasserlaufes.
a) Verhinderung jeglicher Entwicklung der Wasserkraftnutzung im Einzugsgebiet, welche einen Schwall erzeugen könnte, weil dadurch eine unter den wesentlichsten Voraussetzungen für ein gut funktionierendes Gewässerökosystems ausfallen würde.
b) Gezielte Senkung von Teilflächen der bestehenden Waldfläche La Zag in Form eines
biotopspezifischen Altarmes mit ausgedehnten Stillwasserflächen und kleindimensionierten Inseln. Damit zusammenhängende Betonung/Verstärkung des Auwald-Charakters des Areals.
Zoologische Zielgruppen: Libellen, Amphibien, Vögel.
c) Maßnahmen und Managementpläne zur weitgehenden Bereinigung der Ufervegetation von den teilweise invasiven Neophyten.
d) Verbesserung der Fischdurchgängigkeit einiger Querwerke (Sperren/Rampen) innerhalb der oberen Projektstrecke (Errichtung von längeren rauen Rampen aus Zyklopen, insbesondere beim obersten Querwerk der Projektstrecke).
e) Errichtung eines Fluss-Informationsweges entlang der Passer im Stadtbereich: 9-12 Stationen mit Tafeln über:
e.1. die hydraulischen Aspekte und die historische Siedlungsentwicklung „am gefährlichen Wildbach“ (etwa drei-vier Tafel: Hochwasserereignisse und Überschwemmungen, Hochwasserschutz historisch/gegenwärtig; historische Karten; saisonale Abflussdynamik des teilweise gletschergespeisten Wasserlaufes; Entwicklung der Stadt);
e.2. die standorttypischen und die exotischen Ufergehölze (etwa zwei Tafel; Hypothese:
einfache Bestimmungsschlüssel für die 10-15 häufigsten Baum- und Straucharten);
e.3. die Vogelfauna entlang der Passer (etwa zwei/drei Tafel);
e.4. die spezifische Gewässerbiologie und den Zusammenhang Artenvielfalt/Biologisches Gleichgewicht (etwa zwei/drei Tafel: typische Wirbellosen des lokalen Makrozoobenthos; eindrucksvolle Makrofotos höchster Qualität)
e.5. die spezifische Fischfauna (mindestens drei Tafel: Marmorierte Forelle, Äsche,
Mühlkoppe: die Lebensanforderungen der unterschiedlichen Fischarten, die longitudinalen Wanderungen Etsch-Passer-Etsch, die bestehenden natürlichen und künstlichen Hindernisse je nach der Fischart und den artspezifischen Schwimm-, Springleistungen; es würde sich lohnen, die Tafel dort zu errichten, wo Fische leicht zu beobachten sind, hauptsächlich in der Laichphase – November/Dezember für die Forellen, März/April für die Äsche; eine Tafel über Herrn Oswald Schiefer, langjährigen Fischer, Fischereirechtsbesitzer und Bewirtschafter an der städtischen Passer wäre hierbei durchaus angebracht).